Studio Angewandte Philosophie
StAP Seminare Training Coaching
Aus der Philosophie

          

       Platons Höhlengleichnis - Einsteins Glaubensbekenntnis   -   Stanislawski, Schauspieltrainer und Kreativitätsforscher    --   Von gut und böse im Diesseits     

           

Platons Höhlengleichnis

"Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen Wohnstätte... von Kind auf sind sie in dieser Höhle festgebannt. ... (sie) sehen nur geradeaus vor sich hin... von oben her aber aus der Ferne von rückwärts erscheint ihnen ein Feuerschein; zwischen dem Feuer aber und den Gefesselten läuft oben ein Weg hin, längs dessen eine niedrige Mauer errichtet ist... Längs dieser Mauer... tragen Menschen allerlei Gerätschaften vorbei...
     Können solche Gefangenen von sich selbst sowohl wie gegenseitig voneinander mehr gesehen haben als die Schatten, die durch die Wirkung des Feuers auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle geworfen werden? ... Durchweg also würden die Gefangenen nichts anderes für wahr gelten lassen als die Schatten .... 

   Wenn einer von ihnen entfesselt und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals umzuwenden, ... nach dem Lichte emporzublicken... Und wenn man ihn nun zwänge, sein Licht auf das Licht selbst zu richten, so würden ihn doch seine Augen schmerzen... Wenn man ihn nun aber von da gewaltsam durch den... Aufgang aufwärts schleppte und nicht eher ruhete, als bis man ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, würde er diese Gewaltsamkeit nicht schmerzlich empfinden und sich dagegen sträuben?... Zuletzt dann würde er die Sonne, nicht etwa bloß Abspiegelungen derselben im Wasser ... in voller Wirklichkeit ... schauen und ihre Beschaffenheit zu betrachten imstande sein...                  

Wenn ein solcher wieder hinabstiege in die Höhle und dort wieder seinen alten Platz einnähme, würden dann seine Augen nicht förmlich eingetaucht werden in Finsternis. Und wenn er nun wieder... wetteifern müßte in der Deutung jener Schattenbilder, ... würde er sich da nicht lächerlich machen und würde es nicht von ihm heißen, sein Aufstieg nach oben sei schuld daran... und schon der bloße Versuch, nach oben zu gelangen, sei verwerflich?..."

Platon, Politea


 

         

 Einsteins Glaubensbekenntnis                         

Wie merkwürdig ist die Situation von und Erdenkindern! Für einen kurzen Besuch ist jeder da. Er weiß nicht wofür, aber manchmal glaubt er es zu fühlen. Vom Standpunkt des täglichen Lebens ohne tiefere Reflexion weiß man aber: man ist da für die anderen Menschen - zunächst für diejenige, von deren Lächeln und Wohlsein das eigene Glück völlig abhängig ist, dann aber auch für die vielen Unbekannten, mit deren Schicksal uns ein Band des Mitfühlens verknüpft. (...)

Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot .... Das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, der Manifestationen tiefster Vernunft und leuchtendster Schönheit, die unserer Vernunft nur in ihren primitivsten Formen zugänglich ist, dies Wissen und Fühlen macht wahre Religiosität aus; in diesem Sinn und nur in diesem Sinn gehöre ich zu den tief religiösen Menschen. Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach der Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. (...)

 Gemeinschaft und Persönlichkeit

... Was ein Mensch für seine Gemeinschaft wert ist, hängt in erster Linie  davon ab, inwieweit sein Fühlen, Denken und Handeln auf die Förderung des Daseins anderer Menschen gerichtet ist. (...)

Nur das einzelne Individuum kann denken und dadurch für die Gesellschaft neue Werte schaffen, ja selbst neue moralische Normen aufstellen, nach welchen sich das Leben in der Gemeinschaft vollzieht. Ohne schöpferische, selbst denkende und urteilende Persönlichkeiten ist eine Höherentwicklung der Gesellschaft ebensowenig denkbar wie die Entwicklung der einzelnen Persönlichkeit ohne den Nährboden der Gemeinschaft.

 

Eine gesunde Gesellschaft ist also an die Selbstständigkeit der Individuen geknüpft wie an deren innige soziale Verbundenheit.  Es ist mit viel Berechtigung gesagt worden, daß die griechisch-europäisch-amerikanische Kultur überhaupt, im besonderen die Kulturblüte der die Stagnation des Mittelalters in Europa ablösenden italienischen Renaissance, auf der Befreiung und auf der relativen Isolierung des Individuums beruhe.

Albert Einstein (USA, 1930/ 31)

  

Der oben stehende Text ist um 1930/ 31 entstanden, in englischer Fassung in ausführlicher Version als Essay  im 13. Band der „Living Philosophies“ New York abgedruckt unter dem Titel  "The World As I See It" Textquelle:  Albert Einstein. Mein Weltbild. Herausgegeben von Carl Seelig, 29. Auflage 2005                                                          zurück Seitenanfang


      

Stanislawski, Schauspieltrainer und Kreativitätsforscher 

Konstantin S. Stanislawskis  (1863-1938) - Schauspieler, Schauspielpädagoge, Regisseur, Intendant - erklärtes Ziel war die "Kunst des Erlebens": die Schauspieler sollten ihre Rollen mit echten Emotionen selbst erleben und gleichzeitig künstlerisch vollendet darstellen: Kein „vorgespielter“ Faust, kein "vorgespieltes" Gretchen, sondern Faust und Gretchen daselbst mit all ihren Fragen, Gedanken, Sehnsüchten und Verzweiflungen, lebensnah, echt, und doch so, dass wir, die Zuschauer mit ihnen mitfühlen können.

"Die Psychotechnik soll uns helfen, das unbewußte Material zu organisieren,
denn nur ein gut geordnetes unbewußtes Material ist imstande,
künstlerische Form anzunehmen."
 

 

Mit ausgefeilten Methoden, die Stanislawski über Jahrzehnte hinweg entwickelte,  lernten die Schauspieler zunächst ihre eigenen persönlichen Ressourcen kennen und zu trainieren. Dieser intensiven Arbeit an sich selbst folgte die Arbeit an der Rolle. Charaktere wurden akribisch analysiert hinsichtlich ihrer Biographie, ihrer Motivationen, Sehnsüchte etc.. Mit speziellen Methoden konnten die Schauspieler schließlich ihre ausgebildeten persönlichen Ressourcen für die Darstellung der Rolle zur Verfügung stellen. 

 

Stanislawskis systematische Lehre der Schauspielkunst beeinflusst bis heute maßgeblich die internationale Schauspielkunst in Theater und Film über Europa hinaus. Kern seines „Systems“, wie er seine Lehre auch nannte, war die sogenannte Psychotechnik.  Die Erschließung der unbewussten Potentiale der Schauspieler ist der Kernpunkt dieser Lehre. Er machte so die Intuition, die schöpferische Kreativität der Schauspieler mit einem reichen Repertoire an Übungen und Methoden bewusst und handhabbar. Hierin liegt sein wohl größtes Vermachtnis und Verdienst.

   

Wenngleich er selbst seine Arbeit ausschließlich in den Dienst einer neuen Schaupielkunst stellte so war er mit seiner vielfältig experimentellen Arbeit auch ein moderner Kreativitätsforscher auf der Höhe seiner Zeit. Sein Zeitgenosse Sigmund Freud entdeckte gerade die Psychoanalyse. Stanislawskis Methodik ist jedoch ganzheitlich und eher mit Weiterentwicklungen der Psychoanalyse bzw. -therapien vergleichbar wie wir sie bei C.G. Jung, J.L. Moreno, Erich Fromm oder auch Fritz Perls kennen. Auch bildet die fernöstliche Philosophie mit den uralten Lehren der Yogi eine wichtige Grundlage seines Systems. Solche Persönlichkeitsbildung ist eine Kunst, eine Lebenskunst, die auch im pädagogischen und trainerischen Bereich heute ihren Platz hat.

 

Stanislawski lag darüber hinaus wie den Vertreter der Humanistischen Psychologie die Ethik der Gesellschaft und jedes Einzelnen am Herzen. Ethik und Kreativität bedingten ihm zufolge einander. Auch diese Philosophie teilt er mit humanistisch orientierten Persönlichkeitstrainern unserer Zeit.

 

                       

                                                                

 

Dieses wissenschaftliche Fachbuch über Stanislawski (1995) beschreibt seine Theaterarbeit und sein Schauspielsystem inmitten einer schwierigen Interpretationsgeschichte zwischen den damals so ungleichen politischen Ideolgien zwischen Ost und West. Dargestellt im Kontext der aufregenden Zeitläufte der Jahre zwischen ca. 1890 und 1938 in einem revolutionärem Russland können Sie darin verfolgen, wie sich der legendäre Theatermacher über seine Theaterarbeit an die Grundlagen der Kreativität herantastete und zahlreiche Methoden und Grundlagen hierfür schuf.

Sie können das Buch in jeder Buchhandlung bestellen, Kurs- und Coachteilnehmer erhalten es zum Vorzugspreis von 28,- € unter: info@staptraining.de

  

Karin Jansen

Peter Lang Verlag

ISBN 3-631-49166-2

 

oder hier direkt online bestellen über amazon.de

zurück Seitenanfang


 

       

Von gut und böse im Diesseits

 Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Erich Kästner

"Alles ist gut" will nur besagen, dass alles von unveränderlichen Gesetzen regiert wird.

Voltaire

Gute Menschen brauchen keine Gesetze, um gezeigt zu bekommen, was sie nicht dürfen, während böse Menschen einen Weg finden werden, die Gesetze zu umgehn.

Platon

"Ich bin der Geist, der stets verneint. Und das mit Recht; denn alles was entsteht, ist wert, dass  es zugrunde geht. Drum besser wär’s, wenn nichts entstünde.  So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element."

Johann Wolfgang von Goethe, Mephisto 

Die traurige Wahrheit ist, dass das meiste Übel von den Leuten verursacht wird, die sich nie dazu entschließen, entweder gut oder böse zu sein.

Hannah Arendt

Die Kultur, in der wir leben, bringt uns dazu, nicht auf unsere Menschlichkeit zu bauen; wir fangen an zu lernen, dass man über Leichen schreiten muss, um vorwärts zu kommen. Aber das Menschliche ist da, es kann immer wieder stimuliert werden, und darum geht es, das müssen wir tun.  

Arno Gruen

Der Weg zum guten ist der beschwerlichste und steilste im Universum,
es ist kein Wunder, dass so viele fallen und es ist ein Wunder,
dass ihn so viele erfolgreich gegangen sind.
Erst durch tausendmal stolpern bildet sich der Charakter.
 
Swami Vivekananda
 
Handle stets so, dass die Maxime deines Handelns jederzeit als Grundlage für eine allgemeine Gesetzgebung gelten kann.
 Immanuel Kant
 
Erkennen heißt: Alle Dinge zu unserem Besten verstehen
 Friedrich Nietzsche
 
„Euer einstiger Befehl, gut zu sein und doch zu leben, zerriss mich wie ein Blitz in zwei Hälften. Gut sein zu mir und  zu anderen konnte ich nicht zugleich. Ach, Eure Welt ist schwierig.“
 
Bertolt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan
      
Am Ende wird alles gut.
Wenn es nicht gut wird
ist es noch nicht das Ende. 
  
Oskar Wilde 
  

StAP Training  - Philosophisch. Praktisch. Gut.  

 

Flash IntroWillkommenAngewandte Philosophie Galerie Coaching Seminare & TrainingPersonAus der Philosophie Impressum und Kontakt